Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschwert sich über den enorm hohen Anstieg der Frachtpreise für den Transport der Corona-Impfstoffe. Unzureichende Transportkapazitäten im Luftverkehrssektor führen zu einer drastischen Steigerung der Frachtpreise. Dies kann die Versorgung mit Impfstoffen stören und möglicherweise zu deren Verteuerung führen.

Laut Paul Molinaro, Leiter Operations Support and Logistics bei der WHO, werden alle Produkte, die mit dem Transport von Impfstoffen verbunden sind, immer teurer. Als Beispiel nannte er Trockeneis.

„Ein großes Logistikunternehmen, dessen Namen ich nicht preisgeben werde, hat mir gerade seinen Preis für eine Route von Dallas nach Freetown, Sierra Leone, für etwa 105 US-Dollar pro Kilogramm angegeben, was einfach unverschämt ist”, sagte er gegenüber Reuters.

Er fügte hinzu, dass der Standardpreis pro Kilogramm für die Beförderung von Trockeneis bei 4 bis 6 US-Dollar liegt. Molinaro behauptet auch, dass eine Erhöhung der Preise für alle Waren rund um den Transport von Impfstoffen zu Schwierigkeiten bei der Lieferung von Impfstoffen an Schwellenländer führen könnte.

Probleme mit der Verfügbarkeit von Flugzeugen

Gegenwärtig befindet sich die weltweite Verbrauchernachfrage wie jedes Jahr im Dezember auf einem hohen Niveau. Unternehmen versuchen, ihr Inventar aufzufüllen, was aber nicht einfach ist, wenn auf dem Markt keine Container  verfügbar sind. Im Fall des Luftverkehrs, der hauptsächlich für den Transport von Arzneimitteln und Pharmazeutika verwendet wird, besteht das Problem in der sehr geringen Verfügbarkeit von Flugzeugen, die die Beförderung ermöglichen. Aus den neuesten IATA-Daten ergibt sich, dass die verfügbaren Tonnenkilometer im Oktober um 22 Prozent niedriger als im Vorjahr waren. Dies ist auf die Stilllegung der Passagierflotte zurückzuführen, die einen wichtigen Teil des Luftfrachtverkehrs ausmacht. Trotz des kontinuierlichen Anstiegs der Nachfrage nach Luftfrachten (dieser Indikator erreichte im Oktober ein Rekordniveau) ging die Menge der transportierten Waren gegenüber dem Vorjahr um 6 Prozent zurück.

Die Probleme werden möglicherweise 2021 nicht verschwinden

Die gegenwärtigen Probleme mit verfügbaren Transportkapazitäten in der Vorweihnachtszeit waren aber eher zu erwarten. Es ist auch kein Wunder, dass sich diese Situation wahrscheinlich erst im neuen Jahr verbessern wird. Dabei sei es jedoch keineswegs sicher, dass Pharmahändler von dieser erwarteten Freigabe des Laderaums profitieren werden, sagen Analysten von Transport Intelligence (TI). In den reichsten Ländern wie den Vereinigten Staaten oder Großbritannien wird die Verbrauchernachfrage wahrscheinlich steigen, wenn sich die wirtschaftliche Situation verbessert, was auch die Nachfrage nach Luftverkehrsdiensten erhöhen wird. Pharmaunternehmen müssen mit dem gesamten Konsumgütersektor um die verfügbaren Luftfrachtkapazitäten konkurrieren. Da es unwahrscheinlich ist, dass sich die Wirtschaft weltweit gleichzeitig erholt, können wir auch regionale Schwankungen bei Angebot und Nachfrage der Dienstleistungen von Luftfahrtunternehmen beobachten. Somit dürften die drastischen Preissprünge mit der Ankunft von 2021 nicht verschwinden, stellt TI fest.

Fot. Pixabay/NilsW

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