Die Optimierung der Lkw-Kapazität erfordert einen ähnlichen Ansatz wie bei der Verwaltung von Flugzeugsitzen, Hotelbetten und Restauranttischen.

Alle vier Bereiche haben eines gemeinsam, und zwar, dass ihre Kapazität vergänglich ist. Sie muss täglich ausgelastet und verkauft werden – sie kann nicht für morgen aufgehoben werden. Alle basieren auf einem Geschäftsmodell, das die höchstmögliche Auslastung voraussetzt.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

-Sie kommen zu spät zum Einchecken in Ihrem Hotel an, nur um darüber informiert zu werden, dass alle Betten belegt sind. Obwohl Sie Ihr Zimmer im Voraus gebucht und bezahlt haben, werden Sie zu einem nahe gelegenen Hotel abgeschickt.

-Haben Sie am Flughafen geduldig am Gate Schlange gestanden, nur um aufgrund einer Überbuchung 500 Dollar für den nächsten Flug angeboten zu bekommen?

-Sind Sie in einem schicken Restaurant mit anscheinend vielen freien Tischen aufgetaucht, und trotzdem wird Ihnen gesagt, dass aufgrund früherer Reservierungen nichts frei sei?

Anpassung an eine neue Art, Geschäfte zu machen

In Unternehmen ist der Ausgleich zwischen Kapazität und Optimierung entscheidend für die Zufriedenheit der Kunden und für eine starke finanzielle Leistung. Dies gilt für Fluggesellschaften, Hotels, Restaurants und Speditionen. Alle vier Industriezweige sind sehr vermögensintensiv und arbeiten in der Regel mit niedrigen Margen.

Während der Einschränkungen im Jahr 2020 hat sich die Geschäftslandschaft verändert. Das Verhalten der Unternehmen musste sich an neue Normen anpassen.

Im Jahr 2020 gab es weniger Bereitschaft, neue Fluggesellschaften, Hotels und Restaurants zu gründen. In solchen kundenorientierten Branchen ist es heute ein Bonus, jeden Kunden begrüßen zu dürfen. Und es ist zu erwarten, dass sich diese Branchen und ihre Betriebsmodelle in Zukunft erheblich verändern werden.

Wie man Betriebsmargen im Hinblick auf schwankende Kundennachfrage aufrechterhält

Heute muss sich die europäische Lkw-Industrie mit ihrer Kapazitätsauslastung befassen, um Kundenerwartungen erfüllen zu können und die erforderlichen Betriebsmargen zu erreichen, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten.

Ein typischer Komplettladung-Dienstleister ist klein und arbeitet mit vielleicht 50% bis 70% seiner Kapazität mit Jahresverträgen und dem Rest auf dem Spotmarkt. Grundlegend sind Jahresverträgen, die von Jahr zu Jahr neu ausgehandelt und von denen viele nach einer verbissenen Verhandlung verlängert werden.

Aufgrund der tiefen Fragmentierung in der Lkw-Branche sehen wir oft ein erhebliches Ungleichgewicht in der Verhandlungsmacht. Zum Beispiel ein großer Verlader mit vielen Optionen und ein kleineres Speditionsunternehmen mit weniger Optionen.

Nach Angaben von Euro-stat und anderen Quellen können wir schätzen, dass mindestens 15 % der Lkw-Kapazitäten ungenutzt sind, aber in vielen Fällen können es auch über 30 % sein. Ungenutzte Kapazität hat erhebliche Auswirkungen auf den Preis, den Verlader (und letztlich die Verbraucher) für den Transport zahlen müssen. Sie hat auch Auswirkungen auf die Umwelt, und die unverkaufte Kapazität belastet die ohnehin schon schwierige finanzielle Situation der Transportunternehmen.

Was sind die wichtigsten Herausforderungen, die es zu lösen gilt, um ungenutzte Kapazitäten (Leerfahrten) in Europa zu reduzieren?

  • Digitalisierung unserer Branche und unserer Unternehmen, um die Routenplanung zu verbessern und die Kapazitätsnutzung zu optimieren
  • Konsolidierung größerer regionaler Unternehmen, in denen der Besitz von mehr als 1.000 Lastwagen die minimale nachhaltige Größe ist, um konkurrenzfähig anstatt einzigartig zu sein
  • Schaffung eines besseren Gleichgewichts zwischen den vertraglich vereinbarten Verpflichtungen und dem tatsächlich realisierten Anteil

Um freie Kapazitäten zu reduzieren, haben einige Restaurants begonnen, für eine Tischreservierung eine Vorauszahlung zu verlangen, Fluggesellschaften nehmen seit Jahren keine Reservierungen mehr ohne vollständige Vorauszahlung entgegen. Selbst wenn ein Sitzplatz in der ersten Klasse vollständig zurückerstattet werden kann, muss man immer noch im Voraus bezahlen, und zwar zu einem sehr hohen Preisaufschlag.

Wir alle verstehen, dass es kein gutes Geschäft ist, einen Flugzeugsitz oder ein Hotelbett kostenlos und ohne Bezahlung zu buchen. Eine Reservierung für 20 Personen in Ihrem Lieblingsrestaurant vorzunehmen und nicht zu erscheinen, ist einfach nicht nett.

Ausgleich zwischen aktueller und prognostizierter Nachfrage

Girteka Logistics wird im Jahr 2020 rund 800.000 Komplettladungen durchführen. Unsere offizielle vertragliche Verpflichtung gegenüber Verladern hat jedoch eine wesentlich höhere Größenordnung.

Um es in wenigen Worten zusammenzufassen – wir haben ein „groβes Restaurant” bei Girteka Logistics, aber wir können es uns nicht leisten, weiterhin „Tischreservierungen” zu akzeptieren, wenn immer wieder jemand nicht erscheint. Der Preis für das Essen im Restaurant wird stark beeinflusst, wenn wir um ein bestimmtes Engagement herum planen, aber am Ende nutzt es niemand aus.

In ähnlicher Weise erhöht sich der Transportpreis ungerechterweise, wenn die Kapazität überbucht ist. Noch wichtiger ist, dass wir, wenn ein Tisch leer bleibt, auch eine weitere Reservierung ablehnen müssen, so dass wir freie, nicht genutzte und keine Einnahmen erzielende Kapazität haben.

Änderung unserer Geschäftspraktiken

Die Norm der Speditionsindustrie, bei der ein großer internationaler Spediteur mit bedeutenden modernen Prognosefähigkeiten seine Transporte nicht genau planen kann, ist veraltet und hätte längst aufgegeben werden müssen.

Bei jährlichen Ausschreibungen verlangen die Verlader in der Regel Kapazitäten, die ihren bekannten Bedarf um bis zu 100 % und manchmal viel höher übersteigen. In Spitzenzeiten verlangen sie, dass diese volle Kapazität zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung gestellt wird, aber es gibt keine ähnliche Verpflichtung seitens des Verladers. In schwachen Zeiten kaufen dann einige Kapazitäten auf den preisgünstigeren Spotmärkten ein.

Wenn jemand kurzfristig einen Tisch in einem Restaurant absagt, nehmen wir die Ausrede oft für bare Münze. Manchmal hat es den Anschein, als würden professionelle Einkäufer aus großen Unternehmen, die Zugang zu detaillierten Prognosen und Planungen haben, ihren Transportbedarf ständig überschätzen, um die Grenzleistung kleinerer Partner unter Druck zu setzen.

Wie können wir also Ihrer Meinung nach gemeinsam die Art und Weise, wie wir in der Branche arbeiten, zum Nutzen aller Speditionsunternehmen modernisieren?

Foto: Girteka

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