„Batterieelektrische LKW setzen sich zunehmend als effizienteste Null-Emissions-Option für den Kurz- und Mittelstreckenverkehr durch“, heißt es in der jüngsten ING-Analyse mit dem Titel „Der europäische Markt für Elektro-LKW gewinnt an Fahrt, doch der Weg ist uneben…“.
Die Europäische Union verlangt von den Herstellern, die CO2-Emissionen neuer LKW bis 2025 um 15 % und bis 2030 um 43 % zu senken, gemessen am Flottendurchschnitt der Jahre 2019/2020. Ohne einen zügigen Ausbau der E-LKW-Produktion seien diese Ziele kaum erreichbar, so die Studie.
Im Jahr 2025 lag der Anteil schwerer E-LKW (über 16 Tonnen) an den Neuzulassungen in der EU, EFTA und dem Vereinigten Königreich erstmals bei rund 3 %. Für 2026 erwartet ING einen Anstieg auf über 5 %.
Die Internationale Organisation ICCT rechnet bis 2030 mit 290.000 bis 340.000 schweren E-LKW auf Europas Straßen. Der Herstellerverband ACEA geht sogar von bis zu 400.000 Fahrzeugen aus.
Uneinheitliche Marktentwicklung: Nordwesten zieht davon
Der Fortschritt ist jedoch nicht flächendeckend. „Die meisten schweren E-LKW kommen in Deutschland auf die Straße, dort werden sie durch Kaufprämien und vollständige Mautbefreiung stark gefördert“, so die Studie.
Frankreich, die Niederlande sowie die Schweiz, Norwegen und Schweden verzeichneten bereits 2025 zweistellige Zulassungszahlen, auch dank kombinierter Anreize und klarem politischen Kurs.
Anders sieht es im Süden und Osten Europas aus: „In zentral- und osteuropäischen sowie südeuropäischen Ländern ohne finanzielle Förderung ist die Verbreitung minimal.“
Die Umsetzung der Eurovignettenrichtlinie mit CO2-differenzierter Maut – wie in Deutschland, Belgien oder den Niederlanden, verstärke den Anreiz zur Anschaffung emissionsfreier Fahrzeuge zusätzlich.
Verbreitung (und Förderung) schwerer E-LKW variiert stark zwischen den Ländern
Neuzulassungen batterieelektrischer LKW (>16 Tonnen, inkl. Plug-in-Hybride) pro Land und Marktdurchdringung im 1.–3. Quartal 2025

Quelle: ACEA, ING Research
Einzelhandel und Großlogistik als Treiber
„Einzelhändler mit dichten Distributionsnetzen und Ladeinfrastruktur an Depots oder Lagern können E-LKW bereits wirtschaftlich betreiben“, stellt ING fest.
Schätzungen zufolge entfallen aktuell rund 30 % der Verkäufe auf diesen Sektor. Auch Logistikdienstleister wie DSV oder Amazon setzen verstärkt auf batterieelektrische LKW, insbesondere im urbanen und regionalen Verkehr. Voraussetzung sei allerdings, dass die Ladeinfrastruktur zum Geschäftsmodell passe: „Schnellladen bei intensiver Nutzung, Langsamladen bei Übernachtung“.
Hersteller rüsten auf und neue Anbieter drängen auf den Markt
Nachdem Volvo als Vorreiter früh in Serie ging, folgten 2025 alle großen Hersteller: Mercedes-Benz, MAN, DAF und Scania starteten ihre Serienproduktion. MAN begann Mitte 2025 mit der Auslieferung des neuen eTGX. In der ersten Jahreshälfte entfiel laut ING fast die Hälfte aller Auslieferungen auf Volvo und Renault.
„Die Elektrifizierung senkt die Markteintrittshürden, vor allem für neue Anbieter aus China, etwa BYD“, heißt es weiter. Zwar seien Verfügbarkeit und After-Sales-Service in der LKW-Branche entscheidend, doch neue Marktteilnehmer könnten durch Kooperationen mit etablierten Akteuren Preisdruck erzeugen und bestehende Strukturen aufbrechen.
Regulierung bremst kurzfristig nicht, doch das birgt Risiken
Ein bisher wenig beachteter Punkt: Die EU hat den Herstellern mehr Spielraum eingeräumt, um ihre Klimaziele zu erreichen. So wurde laut ING-Studie einzelnen Produzenten eine dreijährige Übergangsfrist gewährt, falls sie das CO₂-Ziel von minus 15 % im Zeitraum Juli 2025 bis Juli 2026 verfehlen. Außerdem dürfen nicht genutzte CO2-Gutschriften in die Folgejahre übertragen werden.
„Diese Flexibilität senkt den unmittelbaren Druck – Sanktionen rücken in die Ferne, könnte aber das notwendige Hochskalieren und damit sinkende Stückkosten verlangsamen“, heißt es in der Analyse. Eine generelle Überprüfung des CO2-Regelwerks für LKW ist zwar erst für 2027 geplant, dürfte aber bereits vorher angestoßen werden.
MAN und TIP: Rahmenvertrag über 1.800 LKW zeigt steigende Nachfrage
Vor diesem Hintergrund verdeutlicht der neue Rahmenvertrag zwischen MAN Truck & Bus und der TIP Group vor allem eines: Die Nachfrage nach modernen, auch emissionsfreien LKW, steigt spürbar. Der Vertrag sieht bis zu 600 Fahrzeuge jährlich zwischen 2026 und 2028 vor, insgesamt bis zu 1.800 LKW für 18 europäische Länder. Der Auftragswert kann bis zu 160 Millionen Euro betragen. Enthalten sind sowohl Diesel- als auch Elektrofahrzeuge.
„Dieser Vertrag unterstreicht das Vertrauen in unsere Produkte und zeigt, wie wir gemeinsam die Transformation der Branche vorantreiben“, sagt MAN-Vertriebsvorstand Friedrich Baumann.
Ausblick: Leasing als Brücke zum emissionsfreien Schwerverkehr
Die TCO (Total Cost of Ownership) von E-LKW verbessert sich laut ING zwar kontinuierlich, nicht zuletzt dank sinkender Batteriepreise und CO2-abhängiger Maut. Doch hohe Einstiegskosten, Ladeinfrastruktur, Netzanschlüsse und Investitionsrisiken bleiben Herausforderungen. ING erwartet: „Die Kostenparität wird vor 2030 erreicht, unter Berücksichtigung externer Effekte“.
Leasinganbieter wie TIP können diesen Übergang aktiv unterstützen, durch planbare Kosten, Wartungsverträge und europaweites Servicenetz. Der MAN/TIP-Vertrag ist kein Umbruch, aber ein deutliches Signal: Der Markt für Elektro-LKW wächst und die Industrie reagiert.









