Der chinesische Reederei- und Logistikkonzern COSCO hat am 22. Dezember 2025 beim Bundeskartellamt die Übernahme von 80 Prozent der Anteile an der Hamburger Konrad Zippel Spediteur GmbH angemeldet. Das geht aus der veröffentlichten Fusionskontrollmeldung hervor (Aktenzeichen B9-130/25).
Als Erwerber ist die niederländische COSCO-Tochter Goldlead Supply Chain Development (Europe) B.V. mit Sitz in Rotterdam benannt. Der angemeldete Produktbereich umfasst intermodale Speditionsdienste. Der Vollzug der Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der kartell- und investitionsrechtlichen Genehmigungen.
Konrad Zippel wurde 1876 gegründet, beschäftigt rund 350 Mitarbeitende und betreibt etwa 200 LKW. Das Unternehmen ist im Containerhinterlandverkehr per Straße, Schiene und Binnenschiff tätig und zählt zu den etablierten Logistikdienstleistern rund um den Hamburger Hafen.

Quelle: Zippel/Facebook
Geschäftsführung bleibt, Mitgesellschafter steigt aus
Der geschäftsführende Gesellschafter Axel Plaß bestätigte den Einstieg und erklärte, dass er 20 Prozent der Anteile behält und das Unternehmen weiterhin führt. Sein bisheriger Mitgesellschafter Axel Kröger scheidet aus der Gesellschaft aus. Die Immobilien des Unternehmens sind nach Angaben aus Branchenkreisen nicht Teil der Transaktion.
Ausbau der Hinterlandstrategie von COSCO
Mit dem geplanten Mehrheitseinstieg würde COSCO seine Präsenz im deutschen Hafen- und Logistiksystem deutlich ausbauen. Bereits 2023 hatte sich der Konzern mit 24,99 Prozent am HHLA Container Terminal Tollerort beteiligt, nach intensiver politischer Debatte und einer Reduzierung des ursprünglich angestrebten Anteils von 35 Prozent.
Während die Beteiligung am Terminal vor allem den Umschlag betrifft, würde COSCO mit Konrad Zippel direkten Zugriff auf Hinterlandverkehre erhalten. Zippel transportierte zuletzt laut Branchenangaben rund 205.000 Container jährlich zwischen Seehäfen und dem Binnenland, davon ein Großteil auf der Schiene.
Politische und regulatorische Aufmerksamkeit
Die geplante Übernahme stößt auf erhöhte Aufmerksamkeit bei Politik und Behörden. Hintergrund ist die anhaltende Diskussion über ausländische Beteiligungen an kritischer Infrastruktur. Nach dem umstrittenen Einstieg am Terminal Tollerort wird erwartet, dass auch dieser Deal einer strengen Investitionsprüfung unterzogen wird. Beobachter gehen davon aus, dass sowohl nationale Stellen als auch EU-Institutionen den Vorgang genau verfolgen.
Für die Transport- und Logistikbranche markiert der Schritt eine weitere Vertiefung der Integration zwischen Reedereien und Hinterlandlogistik. Der Fall Konrad Zippel zeigt, dass sich internationale Linienreedereien nicht mehr auf Hafenbeteiligungen beschränken, sondern zunehmend komplette Transportketten in den Blick nehmen, von der Seeschifffahrt bis zum Vor- und Nachlauf im Binnenland.









