Die zweite Januarwoche ist von extremen Winterbedingungen geprägt, die insbesondere den Straßentransport und die Logistik hart treffen. Behörden warnen, dass die Kombination aus Schnee, Wind und niedrigen Temperaturen die Situation in den kommenden Stunden weiter verschärfen könnte.
Wetterwarnungen und Störungen im Verkehr
Der Deutsche Wetterdienst meldet ein erhebliches Glatteisrisiko in großen Teilen des Landes. In vielen Regionen gelten Warnungen der Stufe 2, und in den nördlichen Bundesländern sowie in Teilen Bayerns, Thüringens und Sachsen-Anhalts, Warnungen der Stufe 3 vor gefährlichen Wettererscheinungen.
Schneesturm Elli bringt gemischte Bedingungen: Im Südwesten des Landes werden milderes Wetter und Regen beobachtet, während im Norden und Osten Frost und starke Schneefälle dominieren, häufig begleitet von Schneeverwehungen. Laut Prognosen sind es gerade die Verwehungen und der verwehende Schnee, die die größte Gefahr für den Straßentransport darstellen.
Lkw blockieren Autobahnen, schwerste Lage in Hessen und Thüringen
Obwohl die Nacht von Donnerstag auf Freitag vergleichsweise ruhig verlief, kam es am Freitagmorgen auf wichtigen Autobahnen zu erheblichen Störungen. Polizei und Verkehrsleitzentralen meldeten zahlreiche Vorfälle mit Lkw, die im Schnee stecken blieben oder quer zur Fahrbahn standen.
Die schlimmste Lage wurde in Hessen gemeldet:
- A4, A5 und A7 waren in beide Richtungen blockiert.
- Auf der A4 gerieten mehrere Lkw‑Gespanne neben die Fahrbahn.
- Auf der A7 kippte ein Fahrzeug um.
- Auf der A5 rutschte ein Lkw von der Straße.
Ähnlich schwierig war die Lage in Thüringen. Auf den Autobahnen A4, A9 und A45 kam es zu zahlreichen Kollisionen und Unfällen, und die Verkehrspolizei berichtete, dass sie viele Einsätze gleichzeitig abarbeiten musste. Auf einer Bundesstraße kam ein Lkw von der Fahrbahn ab und blockierte die Strecke für mehrere Stunden.
Aktuelle Informationen zu Straßenlage und Befahrbarkeit finden Sie auf der Website des Automobilclubs ADAC.
Hamburgs Hafenbetrieb stark beeinträchtigt
In Hamburg führte die Wetterlage zur Vollsperrung der Köhlbrandbrücke, da die Fahrbahn durch Schnee und Eis unpassierbar wurde. Das führte zu massiven Einschränkungen im Lkw‑Verkehr rund um einen der größten Seehäfen Europas.
Die Situation im Hamburger Hafen bleibt angespannt:
- Eis und Schnee auf Containern behindern den Terminalumschlag.
- Weniger Zeitfenster für Abfertigungen stehen zur Verfügung.
- Import‑ und Exportprozesse verzögern sich.
- Teilweise legen Schiffe Hamburg nicht mehr an und werden in andere Häfen umgeleitet.
Diese Entwicklungen haben direkte Auswirkungen auf Lieferketten und die termingerechte Versorgung im Außenhandel.
Industrie in Not, VW stoppt Produktion in Emden
Die extremen Wetterbedingungen haben auch direkte Folgen für die Industrie. Volkswagen hat heute beschlossen, die Produktion im Werk Emden zu stoppen und beide Schichten abzusagen. In Emden werden die Elektro-Modelle ID.4 und ID.7 produziert; die Entscheidung zur Produktionsunterbrechung wurde aufgrund schwieriger Bedingungen für die Beschäftigten und Störungen in den Lieferketten getroffen.
Wie ein VW-Sprecher mitteilte, läuft die Produktion in anderen Werken, darunter Wolfsburg, normal weiter, und Standorte wie Osnabrück und Zwickau befinden sich bereits in der Zeit der Werksferien. Die Unterbrechung in Emden war ursprünglich für Ende Januar geplant, wurde jedoch aufgrund der prognostizierten Schneefälle und Schneestürme vorgezogen.
Weitere Frost‑ und Schneetage erwartet
Nach aktuellen Prognosen zieht Sturm Elli am Wochenende allmählich Richtung Tschechien und schwächt sich ab. Für Deutschland bedeutet das jedoch eine Wiederkehr von Frostwetter und neue Schneefälle, vor allem im Südosten. Behörden appellieren an alle Verkehrsteilnehmer, insbesondere Lkw‑Fahrer, ihre Geschwindigkeit an die Bedingungen anzupassen und die situative Winterreifenpflicht strikt einzuhalten.
Für die Transportbranche bleibt dies eine Phase hoher Unsicherheit: Verspätungen, Ausfälle und weitere Störungen sind zu erwarten. Spediteure und Frachtführer sind dringend angehalten, Wetter‑ und Straßeninformationen kontinuierlich zu überwachen. Schneesturm Elli hat einmal mehr gezeigt, wie schnell extreme Winterbedingungen eines der wichtigsten Verkehrsnetze Europas zum Erliegen bringen können.






