Die wichtigsten Ergebnisse
- T&E erwartet, dass neue Anbieter bis 2030 zwischen 24 und 31 Prozent des europäischen Marktes für elektrische Schwer-Lkw erobern könnten.
- Ein Elektro-Lkw eines neuen Marktteilnehmers könnte die Gesamtbetriebskosten von 0,63 Euro/km auf 0,55 Euro/km senken. Über fünf Jahre entspräche das einer Ersparnis von fast 43.000 Euro.
- Bei vergleichbaren 4×2-Sattelzugmaschinen lag die angegebene Reichweite neuer Anbieter im Schnitt bei 555 km. Etablierte europäische Hersteller kamen auf 515 km.
Eine neue Untersuchung von Transport & Environment (T&E) kommt zu dem Ergebnis, dass der Einsatz eines Elektro-Lkw eines neuen Marktteilnehmers anstelle eines vergleichbaren europäischen Modells die Gesamtbetriebskosten um 12 Prozent senken und einer deutschen Spedition über fünf Jahre bis zu 43.000 Euro einsparen könnte.
Die Analyse erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem Hersteller wie BYD, Tesla, Sany, Windrose und SuperPanther ihre Aktivitäten in Europa vorbereiten oder ausbauen. Damit fordern sie Marken heraus, die den Markt lange geprägt haben – darunter Daimler Truck, Volvo Group, Traton, DAF und Iveco. Laut T&E könnten die Gesamtbetriebskosten für einen deutschen Betreiber von rund 0,63 Euro/km auf 0,55 Euro/km sinken. Der Restwert ist dabei bereits berücksichtigt.
Dieser Unterschied ist in einem Transportmarkt mit typischen Gewinnmargen von lediglich 1,5 bis 2 Prozent erheblich. T&E zufolge könnten neue Anbieter bis 2030 zwischen 24 und 31 Prozent des europäischen Marktes für elektrische Schwer-Lkw übernehmen, sofern sie ihre angekündigten Produktions- und Exportziele erreichen.
Bei der Reichweite sind neue Anbieter nicht mehr im Nachteil
Der Preis ist allerdings nur ein Teil der möglichen Bedrohung. Ein technischer Vergleich im Rahmen der T&E-Analyse zeigt, dass neue Marktteilnehmer bei wichtigen Kriterien bereits weitgehend mit etablierten europäischen Herstellern gleichziehen. Dazu zählen Reichweite, Nutzlast, Ladeleistung und Energieeffizienz.
Bei vergleichbaren 4×2-Sattelzugmaschinen lag die durchschnittlich angegebene Reichweite neuer Anbieter bei rund 555 km, verglichen mit 515 km bei etablierten europäischen Herstellern. Auch die nominelle Nutzlast lag im Vergleich etwas höher. Zudem erreichten die neuen Anbieter im Durchschnitt eine höhere maximale Ladeleistung. Die bisherige Annahme, Käufer einer chinesischen oder US-amerikanischen Marke müssten für einen niedrigeren Kaufpreis ein technisch unterlegenes Fahrzeug akzeptieren, lässt sich daher immer schwerer aufrechterhalten.
Europäische Hersteller haben dennoch wichtige Vorteile. Dazu gehören vor allem etablierte Händler-, Wartungs- und Servicenetze. Außerdem unterscheiden sich Verfügbarkeit und Marktreife der einzelnen neuen Anbieter noch deutlich.
Der Wettbewerb kommt bereits auf die Straße
Die Herausforderung beschränkt sich nicht auf Fahrzeuge, die erst gegen Ende des Jahrzehnts erwartet werden. Der chinesische Hersteller SuperPanther hat in Steyr bereits mit der europäischen Serienproduktion des eTopas 600 begonnen. DHL Freight übernahm das erste Serienfahrzeug, nachdem der Lkw 2025 in einem österreichischen Betrieb getestet worden war. Noch in diesem Monat soll er in den Niederlanden eingesetzt werden.
Der eTopas 600 verfügt über eine 621-kWh-Batterie, eine angegebene Reichweite von bis zu 560 km und eine Ladeleistung von bis zu 660 kW über zwei CCS2-Anschlüsse. Nach Angaben von T&E nehmen immer mehr ausländische Hersteller europäische Betreiber ins Visier. Dazu zählen BYD, Tesla, Sany, Windrose und Sinotruk.
Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Absatz elektrischer Lkw bereits deutlich anzieht. Nach Angaben von T&E entfielen 2025 5,6 Prozent der europäischen Verkäufe auf emissionsfreie Lkw. In Vorreitermärkten wie den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Dänemark lag der Anteil der Elektro-Lkw bereits bei etwa 16 bis 18 Prozent.
Wie belastbar ist die Prognose für 2030?
Die Prognose, wonach neue Anbieter mehr als ein Viertel des europäischen Marktes für elektrische Schwer-Lkw erobern könnten, ist mit einem wichtigen Vorbehalt verbunden. T&E betont ausdrücklich, dass die Schätzung voraussetzt, dass die Hersteller ihre öffentlich angekündigten Produktions- und Exportziele erreichen. Die Spanne ist deshalb eher als Hinweis auf die Größenordnung ihrer Ambitionen zu verstehen und nicht als sichere Vorhersage des tatsächlichen Marktanteils. Wie schnell sich die bislang wenig bekannten Marken etablieren, dürfte unter anderem von Servicedeckung, Restwerten, Finanzierung, Zuverlässigkeit und dem Vertrauen der Kunden abhängen.
Auch bei den Preisen bestehen Unsicherheiten. Einzelne neue Anbieter haben für Europa aggressive Preisziele angekündigt, doch direkt vergleichbare Transaktionspreise verschiedener Hersteller lassen sich derzeit nur schwer ermitteln. Die grundsätzliche Entwicklung zeichnet sich dennoch ab: Europäische Hersteller werden sich voraussichtlich nicht allein durch bessere technische Kennzahlen vor der Konkurrenz schützen können.
T&E warnt zudem, dass weniger ambitionierte CO2-Vorgaben der Europäischen Union für Lkw die Investitionen europäischer Hersteller in Elektrofahrzeuge bremsen könnten – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem Wettbewerber aus Übersee ihre Investitionen ausweiten.
Wettbewerbsfähige chinesische und US-amerikanische Lkw-Modelle sind bereits auf dem europäischen Markt. Viele weitere stehen kurz vor dem Markteintritt”, sagte Stef Cornelis, Direktor für Güterverkehr und Flotten bei T&E.









