Die Europäische Transportarbeiter-Föderation (ETF) hat anlässlich des Weltgedenktags für Straßenverkehrsopfer die beunruhigenden Ergebnisse ihrer Erforschung zur Ermüdung der Berufskraftfahrer veröffentlicht. Der Verband fordert dazu auf, die gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten zu verschärfen und entsprechende Kontrollen zu intensivieren. Wie gefährlich die Nichteinhaltung dieser Vorschriften sowie unzureichende Aufsicht der Kontrollbehörden sein können, hat die Geschichte eines italienischen Transportunternehmens gezeigt, dessen Fahrer innerhalb von 7 Jahren rund 300 Unfälle verursacht haben.

Im Rahmen des ETF-Projekts zur Ermüdung der Bus- und LKW-Fahrer haben rund 2.800 Fahrer in ganz Europa ihre Erfahrungen geteilt. Sogar drei Viertel der Befragten gaben die Hauptsymptome der chronischen Müdigkeit an. Dies sei unter anderem auf eine schlechte Schlafqualität, unzureichende Schlafstunden, unterbrochene Ruhezeiten, extrem lange Arbeitszeiten, mangelnde / oft sehr schlechte Infrastruktur sowie irreguläre Kontrollen der Aufsichtsbehörde in den EU-Staaten  zurückzuführen.

Es gibt kein Beispiel für eine gute Praxis in diesem Sektor. Ich denke, es ist die einzige Branche, die kein Programm für dieses Problem hat. Dies ist auch damit verbunden, dass sich Kunden und Chefs darum nicht kümmern , so ein belgischer Lkw-Fahrer.

Es nimmt mir eine Stunde Zeit, um einen Parkplatz zu finden… Überdies ist es viel zu laut, weil sich die meisten Parkplätze direkt an Autobahnen ohne Lärmschutz befinden, beklagt ein anderer Trucker aus Österreich.

Ich kann mich nicht erinnern, wann das letzte Mal war, als ich kontrolliert wurde, stellte in Bezug auf unzureichende Inspektionen ein portugiesischer LKW-Fahrer fest.

Auf der Grundlage der erhaltenen Ergebnisse fordert die ETF EU-Politiker dazu auf, entsprechende Maßnahmen unverzüglich zu ergreifen, um eine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Berufskraftfahrer zu verhindern sowie der Ermüdung, einer “chronischen Krankheit”  im gewerblichen Straßenverkehr vorzubeugen.

Der Verband plädiert ausdrücklich für:

-Konsequente Durchsetzung des bestehenden Gesetze – dies bedeutet eine strikte Umsetzung und Kontrolle der neuen Regeln, die im Rahmen des Mobilitätspakets verabschiedet wurden;

– Verschärfung der Vorschriften über die Lenk- und Ruhezeiten;

– Erstellung angemessener Fahrpläne, die lange Fahrstunden in der Nacht verhindern, unregelmäßige Arbeitszeiten beschränken sowie Unterbrechung der Ruhezeiten und Verlängerung der Lenkzei unmöglich machen würden.

Fatale Folgen der Nichteinhaltung der Vorschriften und der unzureichenden Kontrollen

Wie gefährlich die Nichteinhaltung der Vorschriften über die Lenk- und Ruhezeiten sowie unzureichende Aufsicht der zuständigen Kontrollbehörden sein können, hat folgende Geschichte eines italienischen Transportunternehmens gezeigt.

Im Mai des laufenden Jahres hat unter anderem das Nachrichtenportal suedtirolnews.it über einen Fall von menschenunwürdigen und alle Verkehrsteilnehmer gefährdenden Arbeitsbedingungen berichtet. Der Inhaber des Transportunternehmens „Plozzer“ zwang seine Lkw-Fahrer, zu wahren „Sklaven des Lenkrads“ zu werden.

Die Trucker mussten bis zu 20 Stunden ohne Pause unterwegs sein, wobei ihnen die vorgeschriebenen Ruhepausen und sogar der Urlaub verweigert wurden. Die zu unmenschlichen Arbeitszeiten gezwungenen Angestellten verursachten vermutlich aus Übermüdung in sieben Jahren insgesamt 276 Unfälle, von denen einer einen tödlichen Ausgang nahm.

Foto: Trans.Info

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