Die wichtigsten Punkte:
- Rotterdam blieb weitgehend stabil: Der Gesamtumschlag stieg trotz nahezu unveränderter Containerzahlen um 0,4 Prozent.
- Antwerp-Bruges und Hamburg verzeichneten Rückgänge: An beiden großen nordeuropäischen Standorten sank der Containerumschlag.
- Algeciras steigerte das Containeraufkommen um 3 Prozent, obwohl der Gesamtumschlag zurückging.
- Wilhelmshaven verzeichnete das stärkste Wachstum: Der Containerumschlag lag 36 Prozent über dem Vorjahreswert.
- Ungleichgewichte im Handel und operative Störungen belasteten Exporte, Transshipment-Verkehre und die verfügbare Terminalkapazität in mehreren Häfen.
Die führenden europäischen Seehäfen meldeten für das erste Halbjahr 2026 stark unterschiedliche Ergebnisse. Rotterdam konnte trotz stagnierender Containerzahlen leicht wachsen, während Antwerp-Bruges und Hamburg beim Frachtaufkommen nachgaben. Algeciras legte im Containerverkehr zu, obwohl der Gesamtumschlag rückläufig war. Die niedersächsischen Häfen verzeichneten insgesamt ein deutliches Wachstum – angeführt von Wilhelmshaven mit einem Plus von 36 Prozent.
So entwickelten sich Europas Häfen im ersten Halbjahr 2026
| Hafen | Gesamtumschlag, 1. Halbjahr 2026 | Veränderung gegenüber dem Vorjahr | Containerumschlag | Veränderung beim Containerumschlag |
| Rotterdam | 212 Millionen Tonnen | +0,4 Prozent | — | -0,1 Prozent TEU |
| Antwerp-Bruges | 133,9 Millionen Tonnen | -2,4 Prozent | — | -1,5 Prozent TEU |
| Hamburg | 56,1 Millionen Tonnen | -3,1 Prozent | 4,0 Millionen TEU | -3,8 Prozent |
| Algeciras | Mehr als 50 Millionen Tonnen | -1,6 Prozent | 2,4 Millionen TEU | +3 Prozent |
| Wilhelmshaven | Rund 20,6 Millionen Tonnen | +14 Prozent | Mehr als 898.000 TEU | +36 Prozent |
| Cuxhaven | 1,3 Millionen Tonnen | -32 Prozent | — | — |
| Häfen Niedersachsens, gesamt | 31,1 Millionen Tonnen | +7 Prozent | 898.211 TEU | +36 Prozent |
| Bremen/Bremerhaven | Zahl für das erste Halbjahr noch nicht verfügbar | — | Zahl für das erste Halbjahr noch nicht verfügbar | — |
Die Angaben beruhen auf den verfügbaren Halbjahresdaten der Häfen und den für diesen Beitrag herangezogenen Quellen. Ein Gedankenstrich weist darauf hin, dass in den verwendeten Unterlagen kein direkt vergleichbarer Wert veröffentlicht wurde.
Rotterdam wächst trotz stagnierender Containerzahlen
Rotterdam behauptete seine Position als größter Hafen der betrachteten Gruppe. In den ersten sechs Monaten wurden 212 Millionen Tonnen umgeschlagen – 0,4 Prozent mehr als im entsprechenden Zeitraum 2025.
Maßgeblich dafür waren vor allem die Massengüter. Der Umschlag von trockenem Massengut stieg um 1,7 Prozent, flüssiges Massengut legte um 2,4 Prozent zu. Bei den Containern blieb das Volumen dagegen nahezu unverändert. Gemessen in TEU ging es um 0,1 Prozent zurück, nach Gewicht um 2,6 Prozent auf 98,5 Millionen Tonnen.
Hinter dem stabilen Gesamtergebnis veränderten sich die Handelsströme jedoch deutlich. Der Überseeverkehr wuchs um 5,2 Prozent nach TEU. Dazu trugen unter anderem 8 Prozent mehr Importe aus Asien bei. Der Containerverkehr mit Nordamerika erhöhte sich sogar um 13 Prozent.
Gleichzeitig sanken die Exporte beladener Container um 1 Prozent. Das verstärkte das Ungleichgewicht zwischen eingehenden und ausgehenden Ladungen. Beim Transshipment verzeichnete Rotterdam ein Minus von 20 Prozent. Der Hafen führte den Rückgang auf fehlende Terminalkapazitäten zurück. An mehreren Containerterminals soll ab Ende 2026 zusätzliche Kapazität verfügbar werden.
Auch die Energiemärkte wirkten sich auf das Ergebnis aus. Der Umschlag von Ölprodukten stieg um 11,5 Prozent auf 25 Millionen Tonnen. Die Ausfuhren erhöhten sich um 36 Prozent, der Kohleumschlag um 17,8 Prozent. Als Gründe nannte der Hafen unter anderem Störungen in der Region des Persischen Golfs und höhere Energiepreise.
Streiks und schwächere Exporte bremsen Antwerp-Bruges
Antwerp-Bruges schlug zwischen Januar und Juni 133,9 Millionen Tonnen Seefracht um – 2,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Besonders stark belastete der Containerverkehr das Ergebnis. Der Umschlag sank gegenüber dem außergewöhnlich starken ersten Halbjahr 2025 um 1,5 Prozent nach TEU und um 3,6 Prozent nach Gewicht. Die Ausfuhren beladener Container gingen um 5,7 Prozent zurück, während 13,7 Prozent mehr Leercontainer abgefertigt wurden. Nach Angaben des Hafens spiegeln die Zahlen die schwache Exportlage der westeuropäischen Industrie wider.
Mehrere Störungen verschärften die Situation. Ein viertägiger Streik bei den nautischen Diensten im März führte dem Hafen zufolge zu einem geschätzten Ausfall von 100.000 TEU. Nach einer Ölverschmutzung im Deurganck-Dock im April kamen schätzungsweise weitere 85.000 TEU hinzu. Arbeitskampfmaßnahmen der Lotsen im Juni verursachten einen zusätzlichen Verlust von rund 75.000 TEU. Insgesamt sollen die drei Ereignisse etwa 260.000 TEU betroffen haben.
Auch geopolitische Entwicklungen veränderten die Warenströme. Die Importe aus Staaten rund um den Persischen Golf sanken um 57 Prozent. Bei beladenen Containern aus den Vereinigten Staaten betrug der Rückgang 10,4 Prozent, bei den Ausfuhren in die USA 16,5 Prozent. China entwickelte sich in die entgegengesetzte Richtung: Dort nahmen die Container-, Fahrzeug- und Stahlmengen zu.
Abseits des Containersegments fiel die Bilanz besser aus. Der RoRo-Umschlag wuchs um 5,9 Prozent. Die Zahl der abgefertigten Neufahrzeuge stieg um 7,7 Prozent auf 1,695 Millionen. Das konventionelle Stückgut ging dagegen um 11,7 Prozent zurück.
Hamburg verliert Containeraufkommen während der Terminalmodernisierung
Hamburg verzeichnete unter den großen nordeuropäischen Drehkreuzen einen der stärksten Rückgänge. Deutschlands größter Seehafen schlug 56,1 Millionen Tonnen um – 3,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Der Containerverkehr erreichte im ersten Halbjahr 4,0 Millionen TEU und lag damit 3,8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Nach Gewicht betrug das Minus 4 Prozent. Die Hamburg Port Authority erklärte den Rückgang mit der laufenden Modernisierung der HHLA-Terminals, durch die vorübergehend weniger Umschlagkapazität zur Verfügung stand.
Der Containerverkehr mit Singapur nahm um 13,1 Prozent zu, mit Finnland um 24,7 Prozent, mit Indien um 7,2 Prozent und mit Marokko um 4,7 Prozent. Diese Zuwächse reichten jedoch nicht aus, um die Rückgänge in anderen wichtigen Märkten auszugleichen. Der Containerverkehr mit den Vereinigten Staaten sank um 13,5 Prozent; auch die Verkehre mit China und dem Vereinigten Königreich gingen zurück.
Der Massengutumschlag verringerte sich um 1,1 Prozent auf 15,9 Millionen Tonnen. Beim flüssigen Massengut betrug der Rückgang 14 Prozent. Dies führte die Hafenbehörde teilweise auf geringere Mineralölimporte zurück, da die Energiemärkte ab April von Störungen betroffen waren. Das trockene Massengut legte hingegen um 4,2 Prozent zu.
Das konventionelle Stückgut sank um 5 Prozent auf 535.000 Tonnen, vor allem wegen geringerer Stahlerzeugnisexporte.
Algeciras steigert Containerverkehr trotz weniger Gesamtfracht
Am südlichen Zugang zu Europa schlug Algeciras im ersten Halbjahr mehr als 50 Millionen Tonnen um. Das waren 1,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Containerverkehr entwickelte sich gegenläufig und stieg um 3 Prozent auf 2,4 Millionen TEU.
Die von Cadena SER veröffentlichten Zahlen deuten darauf hin, dass vor allem mehr beladene Import- und Exportcontainer sowie ein höheres Aufkommen an Kühlcontainern zum Wachstum beitrugen. Die Einfuhren von Erzeugnissen wie Mangos und Avocados nahmen zu, weil der Hafen die europäische Nachfrage in den Monaten bediente, in denen die heimische Produktion auf der Iberischen Halbinsel nicht verfügbar war. Zu den Herkunftsländern mit den stärksten Zuwächsen gehörten Brasilien, Ägypten, Argentinien und Chile.
Besonders stark fiel der Juni aus. Der Gesamtumschlag überschritt 8,7 Millionen Tonnen und lag damit 9 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Containerumschlag erreichte im Monatsverlauf 417.327 TEU, ein Plus von 2 Prozent. Der Lkw-Verkehr nahm um 11 Prozent auf 45.365 Fahrzeuge zu.
Wilhelmshaven treibt Wachstum der niedersächsischen Häfen
Die stärkste Entwicklung in der betrachteten Gruppe meldeten die neun niedersächsischen Seehäfen. Zusammen schlugen sie 31,1 Millionen Tonnen Seefracht um – 7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, als 29,1 Millionen Tonnen erreicht wurden.
Der Containerumschlag stieg um 36 Prozent auf 898.211 TEU. Das Stückgutaufkommen erhöhte sich um 25 Prozent auf mehr als 12 Millionen Tonnen. Einzige Ausnahme war das Massengut: Hier lag der Umschlag knapp 2 Prozent niedriger bei rund 19,1 Millionen Tonnen.
Nahezu der gesamte Containerverkehr der Region entfiel auf Wilhelmshaven. Der Hafen kam insgesamt auf rund 20,6 Millionen Tonnen und übertraf damit das erste Halbjahr 2025 um 14 Prozent. Der Containerumschlag lag bei mehr als 898.000 TEU und damit 36 Prozent höher. Außerdem wurden dort fast 68.000 Neufahrzeuge abgefertigt.
Cuxhaven schnitt im Halbjahresvergleich deutlich schwächer ab. Die Seefracht sank um 32 Prozent auf 1,3 Millionen Tonnen. Verantwortlich dafür waren vor allem die außergewöhnlich hohen Baustoffmengen im Vergleichszeitraum 2025. Das Stückgut – darunter Komponenten für die Windenergie – entwickelte sich besser. Die Zahl der abgefertigten Neufahrzeuge ging auf 185.508 zurück.
Unterschiedliche Ergebnisse, ähnliche Belastungen
Die Halbjahreszahlen zeigen, dass sich der europäische Hafenmarkt in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 uneinheitlich entwickelte. Rotterdam blieb stabil, während Antwerp-Bruges und Hamburg unter schwächeren europäischen Exporten, betrieblichen Einschränkungen und Störungen im internationalen Handel litten. Algeciras konnte beim Containerumschlag weiter zulegen. Wilhelmshaven verzeichnete unter den betrachteten Häfen mit Abstand das stärkste Wachstum.
Außerdem zeigt sich eine wachsende Diskrepanz zwischen der Entwicklung des Gesamtumschlags und jener im Containersegment. Algeciras steigerte die Zahl der umgeschlagenen TEU trotz rückläufiger Gesamtfracht. In Rotterdam wuchs das Überseegeschäft, obwohl der Containerumschlag insgesamt nahezu unverändert blieb. Antwerp-Bruges verzeichnete dagegen mehr Leercontainer, während die Ausfuhren beladener Boxen zurückgingen – ein Hinweis auf die aktuellen Ungleichgewichte in den europäischen Handelsströmen.
Vergleichbare Halbjahreszahlen für Bremen und Bremerhaven waren in den von bremenports veröffentlichten Unterlagen noch nicht enthalten. Auf der Statistikseite waren für 2026 zum Zeitpunkt der Auswertung nur Monatsdaten bis einschließlich Mai verfügbar. Deshalb wurden die beiden Häfen nicht in den Halbjahresvergleich aufgenommen.









