Ein tschechischer Fahrer wendet sich vor dem Arbeitsgericht Bonn gegen die Deutsche Post AG. Seine Klage könnte einen Präzedenzfall für tausende Mitarbeiter schaffen – berichtet die „Süddeutsche Zeitung” in einer Reportage von Kristiana Ludwig.

 

Jiri Novak, unter diesem Pseudonym taucht der Mann im Artikel auf, arbeitet für ein Subunternehmen der Post. Er bekommt einen Grundlohn von rund 550 Euro im Monat. Das ist ungefähr ein Drittel von dem, was ein angestellter Post-Fahrer verdient und es ist viel weniger als der gesetzliche Mindestlohn.

Etwa die Hälfte aller Fahrer, die für die Deutsche Post  arbeiten, seien, laut Angaben der Gewerkschaft Verdi, keine direkten Angestellten des Konzerns. Etwa 3000 von ihnen arbeiteten  für „Servicepartner”, wie sie die Post nennt.

Bislang weist die Deutsche Post die Verantwortung für solche Niedriglöhne von sich. Sie überlässt es offenbar den ausländischen Subunternehmen, ihre Fahrer ordentlich zu bezahlen – lesen wir in der „SZ”.

Vor dem Gericht will der Tscheche den Konzern verpflichten, ihm die Differenz zum deutschen Mindestlohn nachträglich auszuzahlen. Es geht um etwa 8000 Euro. Sollte er erfolgreich sein, könnte dies aber zu einem Präzedenzfall für viele ausländische Fahrer im Auftrag deutscher Unternehmen werden. Denn nicht nur die Post, sondern auch viele andere Briefdienste und Speditionen beschäftigen Hunderte ausländische Fremdfirmen zu Tiefstpreisen – kommentiert die Zeitung.

fot. Flickr

Novaks Anwälte berufen sich nun auf eine Regelung im Mindestlohngesetz, nach der Unternehmen in die Pflicht genommen werden können, den Angestellten ihrer Subunternehmen den nicht gezahlten Lohn zu ersetzen. Durchgesetzt hat so etwas bislang noch kein ausländischer Fahrer in Deutschland – hebt die „SZ” hervor.

850 Euro? „Nicht schlecht”

In der Reportage erzählt von seinem Job auch ein polnischer Fahrer, der ebenso für ein Subunternehmen arbeit. Der Pole verdient etwas mehr als sein tschechischer Kollege, aber es ist nur 850 Euro pro Monat, auch viel weniger als der Mindestlohn.

Ich weiß, dass ich in Deutschland zu polnischen Bedingungen arbeite. Es ist trotzdem ein guter Job – sagt Mazur.

Es ist nicht das erste Mal

Die Geschichte des tschechischen Fahrers ist nicht die erste, die von den deutschen Medien beschrieben wurde. Im Januar dieses Jahres hat das ZDF eine Reportage über die Behandlung von Mitarbeitern der Deutschen Post und DHL-Delivery ausgestrahlt. Ironischerweise erschien der Bericht am selben Tag, als der deutsche Verkehrsminister in Paris die „Road Alliance” zur Bekämpfung von Sozialdumping unterzeichnete.

Druck, Respektlosigkeit und ständig steigende Forderungen – damit konnten die Postbeamten nicht fertig werden. Einige Zusteller der Deutschen Post beklagten, dass ihre Bezirke im Laufe der letzten Jahre immer größer wurden.

– Anfangs musste ich Post an 600 Häuser zuliefern, jetzt sind es 1400 –erzählte in der ZDF-Reportage ein Briefträger, der seit 20 Jahren bei der Firma arbeitet.

Quelle: „Süddeutsche Zeitung”, ZDF

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