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Niederlande starten Lkw-Maut: ILT-Kontrollen künftig auch per Motorrad [Update]

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Wer ab Juli mit dem Lkw in die Niederlande fährt, muss eine funktionierende On-Board-Unit (OBU) an Bord haben. Mit dem Start der neuen kilometerbasierten Lkw-Maut setzt die Aufsicht ILT (Inspectie Leefomgeving en Transport) bei Kontrollen auch auf Motorrad-Inspektoren, die Fahrzeuge gezielt anhalten können. [Update 01. Juli 2026 15:40 Uhr - mit Angaben zu einer einwöchigen Übergangsfrist für einige Betreiber ohne Mautgeräte.]

Update, 1. Juli 2026, 15:40 Uhr: Einwöchige Kulanzfrist für einige Unternehmen ohne Mautbox

Mit dem Start der niederländischen Lkw-Maut gilt für einen begrenzten Kreis von Transportunternehmen kurzfristig eine Kulanzregelung. Betroffen sind Unternehmen, die aufgrund von Verzögerungen beim Mautdienstanbieter NedLinq ihre Mautbox noch nicht erhalten haben.

Nach Angaben des niederländischen Transportverbands TLN dürfen Unternehmen, die ihren Vertrag oder ihre Mautbox vor dem 1. Juli bei NedLinq beantragt haben, diese aber noch nicht erhalten haben, bis einschließlich 7. Juli ohne Bußgeld mautpflichtige Straßen nutzen – vorausgesetzt, sie können nachweisen, dass sie den Antrag rechtzeitig gestellt haben. Die betroffenen Kennzeichen seien an die niederländische Zulassungsbehörde RDW übermittelt worden, so TLN.

Auch auf der offiziellen Internetseite zur niederländischen Lkw-Maut wird auf diese Regelung hingewiesen. Dort heißt es, dass Unternehmen, die sich vor dem 1. Juli um einen Vertrag oder eine Mautbox von NedLinq bemüht haben, dies jedoch noch nicht abschließen konnten und dies nachweisen können, ab dem 1. Juli bis einschließlich 7. Juli weiterfahren dürfen, ohne mit einem Bußgeld rechnen zu müssen.

NedLinq will die betroffenen Kunden per E-Mail über die Kulanzregelung informieren. Unternehmen, die bis zum 1. Juli keine Nachricht erhalten haben und weiterhin Probleme haben, sollten sich direkt an NedLinq wenden.

Die Kulanzregelung gilt offenbar nicht für den gesamten Markt. Nach den offiziellen Informationen müssen Unternehmen, die Probleme mit einem anderen Mautdienstanbieter haben, diesen direkt kontaktieren. Grundsätzlich gilt weiterhin: Jeder mautpflichtige Lkw muss mit einer funktionsfähigen Mautbox ausgestattet sein – auch dann, wenn er ausschließlich auf Straßen unterwegs ist, auf denen keine Maut erhoben wird.

Separat weisen die Behörden darauf hin, dass bei einem Defekt der Mautbox während der Fahrt der Betreiber den Anbieter unverzüglich informieren und innerhalb von drei Stunden für ein funktionierendes Gerät im Fahrzeug sorgen muss. Wer ohne funktionsfähige Mautbox unterwegs ist, muss weiterhin mit einem Bußgeld rechnen.


Artikel veröffentlicht am 01. Juli 2026 um 7:00 Uhr

Ab dem 1. Juli 2026 verabschieden sich die Niederlande von der Eurovignette und stellen auf eine streckenbezogene Abgabe für Lkw um. Betroffen sind inländische wie ausländische Fahrzeuge über 3,5 Tonnen. Voraussetzung von Beginn an ist eine funktionierende OBU. Wie hoch die Abgabe pro Kilometer ausfällt, hängt vom Gewicht und der Emissionsklasse ab – leichtere und emissionsärmere Fahrzeuge werden entsprechend niedriger eingestuft.

Auffällig ist vor allem das Kontrollkonzept entlang der Autobahnen. Stationäre und mobile Erfassungstechnik prüft vorbeifahrende Lkw darauf, ob eine gültige Mautbox genutzt wird. Meldet das System einen Verdachtsfall, kann ein in der Nähe positionierter ILT-Inspektor auf dem Motorrad den Lkw anhalten und zu einer Kontrollstelle leiten. Dort übernehmen Kolleginnen und Kollegen die Prüfung vor Ort – inklusive der Abwicklung möglicher Bußgelder.

Zum Einsatz kommen Yamaha TRACER 9 GT, die von Modiforce B.V. für den Kontrollbetrieb umgerüstet und im ILT-Design ausgestattet wurden. Laut Ferdinand Altenburg von Yamaha Motor Benelux sollen die angepassten Maschinen den Inspektoren ein verlässliches und wendiges Einsatzfahrzeug bieten.

Fälle, die nicht sofort bearbeitet werden, können zudem auf eine Signalliste gesetzt werden. Über Kennzeichenerkennung lassen sich diese Fahrzeuge später identifizieren, sodass Inspektoren den Lkw anhalten und die Zahlung eines Bußgelds vor Ort veranlassen können. Wird die Zahlung verweigert, kann das Fahrzeug vorübergehend stillgelegt werden.

Die Reform zielt nicht nur auf zusätzliche Einnahmen. Die Kfz-Steuer für Lkw bis zwölf Tonnen soll entfallen, für schwerere Fahrzeuge wird sie reduziert. Damit wird die kilometerbasierte Abgabe zum zentralen Instrument für die Straßennutzung durch schwere Nutzfahrzeuge. Die Maut fällt unabhängig davon an, ob der Lkw beladen ist oder leer fährt.

Nach Angaben der ILT sind Kontrollen am Straßenrand auch deshalb notwendig, weil die Regelung ausdrücklich ausländische Transportunternehmen einschließt. Physische Stopps sollen verhindern, dass die Durchsetzung in der Praxis vor allem niederländische Betreiber trifft, während ausländische Lkw ohne wirksame Nachverfolgung durchs Land fahren.

Ein Teil der Einnahmen aus der Lkw-Maut ist dafür vorgesehen, den Güterverkehr klimafreundlicher zu machen – etwa durch Unterstützung für elektrische Lkw, den Ausbau von Ladeinfrastruktur und mehr Zusammenarbeit entlang der Logistikkette.

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