Ab dem 1. Juli 2026 verabschieden sich die Niederlande von der Eurovignette und stellen auf eine streckenbezogene Abgabe für Lkw um. Betroffen sind inländische wie ausländische Fahrzeuge über 3,5 Tonnen. Voraussetzung von Beginn an ist eine funktionierende OBU. Wie hoch die Abgabe pro Kilometer ausfällt, hängt vom Gewicht und der Emissionsklasse ab – leichtere und emissionsärmere Fahrzeuge werden entsprechend niedriger eingestuft.
Auffällig ist vor allem das Kontrollkonzept entlang der Autobahnen. Stationäre und mobile Erfassungstechnik prüft vorbeifahrende Lkw darauf, ob eine gültige Mautbox genutzt wird. Meldet das System einen Verdachtsfall, kann ein in der Nähe positionierter ILT-Inspektor auf dem Motorrad den Lkw anhalten und zu einer Kontrollstelle leiten. Dort übernehmen Kolleginnen und Kollegen die Prüfung vor Ort – inklusive der Abwicklung möglicher Bußgelder.
Zum Einsatz kommen Yamaha TRACER 9 GT, die von Modiforce B.V. für den Kontrollbetrieb umgerüstet und im ILT-Design ausgestattet wurden. Laut Ferdinand Altenburg von Yamaha Motor Benelux sollen die angepassten Maschinen den Inspektoren ein verlässliches und wendiges Einsatzfahrzeug bieten.
Fälle, die nicht sofort bearbeitet werden, können zudem auf eine Signalliste gesetzt werden. Über Kennzeichenerkennung lassen sich diese Fahrzeuge später identifizieren, sodass Inspektoren den Lkw anhalten und die Zahlung eines Bußgelds vor Ort veranlassen können. Wird die Zahlung verweigert, kann das Fahrzeug vorübergehend stillgelegt werden.
Die Reform zielt nicht nur auf zusätzliche Einnahmen. Die Kfz-Steuer für Lkw bis zwölf Tonnen soll entfallen, für schwerere Fahrzeuge wird sie reduziert. Damit wird die kilometerbasierte Abgabe zum zentralen Instrument für die Straßennutzung durch schwere Nutzfahrzeuge. Die Maut fällt unabhängig davon an, ob der Lkw beladen ist oder leer fährt.
Nach Angaben der ILT sind Kontrollen am Straßenrand auch deshalb notwendig, weil die Regelung ausdrücklich ausländische Transportunternehmen einschließt. Physische Stopps sollen verhindern, dass die Durchsetzung in der Praxis vor allem niederländische Betreiber trifft, während ausländische Lkw ohne wirksame Nachverfolgung durchs Land fahren.
Ein Teil der Einnahmen aus der Lkw-Maut ist dafür vorgesehen, den Güterverkehr klimafreundlicher zu machen – etwa durch Unterstützung für elektrische Lkw, den Ausbau von Ladeinfrastruktur und mehr Zusammenarbeit entlang der Logistikkette.









