Sozialer Betrug und Menschenhandel. Der belgische Spediteur zahlt dafür 30 Millionen Euro, aber das ist nicht das Ende der Konsequenzen

Eines der größten belgischen Speditionsunternehmen wird wegen Dumping, Sozialbetrug und Menschenhandel teuer bezahlen. Die seit 2015 laufenden Ermittlungen gegen das Unternehmen wurden mit einem Vergleich mit der Staatsanwaltschaft abgeschlossen. Der Spediteur wird 30 Millionen Euro zahlen. Drei Personen wurden zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt.

Sozialer Betrug und Menschenhandel. Der belgische Spediteur zahlt dafür 30 Millionen Euro, aber das ist nicht das Ende der Konsequenzen
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Die Jost-Gruppe ist das größte Unternehmen in Wallonien und der drittgrößte Akteur in der belgischen Transportbranche. Das Unternehmen beschäftigt fast 3.300 Fahrer, besitzt 1.400 Lastwagen und 3.000 Auflieger und verfügt über 500.000 Quadratmeter Lagerfläche. Belgische Medien berichten, dass die Gruppe einen Jahresumsatz von 350 Millionen Euro erzielt. Die Jost-Gruppe wäre also ein Beispiel für großen Erfolg, gäbe es da nicht die Vorwürfe des Dumpings, der Geldwäsche, des Sozialbetrugs und sogar des Menschenhandels.

Tatsächlich lief seit 2015 ein von der Bundesanwaltschaft eingeleitetes Ermittlungsverfahren gegen das Unternehmen, in dessen Verlauf der Unternehmenschef Roland Jost und mehrere seiner Mitarbeiter vorübergehend und vorsorglich festgenommen wurden. Dabei ging es unter anderem um die entwürdigende Behandlung vieler osteuropäischer Lkw-Fahrer (darunter rund 900 Fahrer aus Rumänien) und die Veruntreuung von zweistelligen Millionenbeträgen.

30 Millionen Euro Geldbuße und Gefängnisstrafen

Am Montag, den 25. Oktober, einigten sich die Staatsanwaltschaft und die Jost-Gruppe nach sechsjährigen Ermittlungen auf einen Vergleich. Das Unternehmen hat sich bereit erklärt, 30 Mio. Euro Strafe zu zahlen, von denen 27 Mio. Euro direkt an den Sozialversicherungsträger überwiesen werden. Darüber hinaus verurteilte die Staatsanwaltschaft Roland Jost und zwei seiner engsten Mitarbeiter zu einer 6-monatigen Haftstrafe auf Bewährung. Diese Sanktion ist eine Folge des Eingeständnisses des „Menschenhandels“. Damit endete das Strafverfahren in diesem Fall.

Der Vergleich muss jedoch noch von der Ratskammer in Lüttich genehmigt werden, die im Dezember zusammentritt.

Flugzeuge für Trucker

Da gerade von der Firma Jost die Rede ist, sollte erwähnt werden, dass die Gruppe alle zwei Wochen rumänische Fahrer per Flugzeug von Bukarest nach Maastricht im Süden der Niederlande befördert. Von dort aus wurden die Rumänen mit einem Bus ins 45 Kilometer entfernte Herstal in Belgien gebracht, wo Jost seinen Sitz hat. Wenn die Fahrer den Stützpunkt erreichen, steigen sie in ihre Lastwagen und fahren los. Trotz der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft stellte das Unternehmen diese Praxis nie ein, berichten belgische Medien.

Dieses Verfahren ermöglicht es dem Transportunternehmen, über eine Tochtergesellschaft in Rumänien Fahrer zu rumänischen Bedingungen für etwa 400 EUR pro Monat einzustellen.

Der Rest des Gehalts wird in Form von Tagegeldern gezahlt, die von Sozialabgaben befreit sind.

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