Mitte April hat US-Präsident Donald Trump Lkw-Fahrer auf eine außergewöhnliche Art und Weise honoriert, indem er im Weißen Haus eine Feier für sie als Helden des Kampfes gegen das Coronavirus organisierte, von der treibenden Kraft ihres Berufs in der Krisenzeit erzählte und sich für ihr Engagement sogar bei dem Gott bedankte. Überdies wurden einige Trucker mit zeremoniellen, goldenen Schlüsseln belohnt. Wie geht es aber Berufskraftfahrern in den USA in der schwierigen Zeit der Pandemie wirklich?

Als Donald Trump letzten Monat vier Lkw-Fahrern die goldenen Schlüssel aushändigte, konnte man eine Vorstellung gewinnen, dass sie sich echt hochgeschätzt und gehört fühlten.

In der Tat haben sie aber genug schöne Worte und Meme, die ihre Arbeit loben und möchten lieber eine angemessene Gehaltserhöhung erhalten. Stattdessen stürzen ihre Vergütungen auf Tiefstände ab, die seit 2009 nicht mehr gesehen wurden. Wie das internationale Wirtschaftsportal Business Insider berichtet, sind diese so ungünstig, dass es bald zu einer Situation kommen kann, in der Lkw-Fahrer ihre Fahrzeuge nicht mehr bewegen werden, weil es sich nicht lohnen wird. Sie wollen doch nicht kostenlos arbeiten.

“Wir als Trucker lieben die Unterstützung, die Trump uns gegeben hat, aber das bezahlt leider keine Rechnungen”, sagte Berufskraftfahrer Joe Plummer gegenüber Business Insider.

Als Beispiel dessen, wie stark die Frachtraten in den USA zur Zeit der Pandemie gesunken sind, nennt er eine für ihn übliche Strecke von North Carolina nach Los Angeles: vorher wurde ihm 4.700 USD bezahlt, jetzt beträgt das Angebot 2.700 US-Dollar. In der Zwischenzeit hoffte er auf eine staatliche Hilfe. Plummer stellte Anträge auf Gehaltsscheckschutz und eine Subvention für Kleinunternehmen, aber bisher hat er keine Antwort erhalten und bleibt daher hoffnungslos.

Plummers Fall ist keine Ausnahme. In North Carolina gibt es rund 400.000 selbständige Lkw-Fahrer, deren Lage aufgrund der Pandemie genauso düster aussieht, obwohl ihre Arbeit besonders zum gegenwärtigen Zeitpunkt von entscheidender Bedeutung ist.

Sollte es keine Lkw-Fahrer mehr geben, würden Amerikas Lebensmittelgeschäft, Tankstellen und Geldautomaten im Laufe von zwei bis drei Tagen infolge einer so hoher Belastung wegen des Coronavirus praktisch leer sein. Krankenhäuser werden vorwiegend dank LKW-Fahrern mehrmals täglich mit unerlässlichen Vorräten versorgt, trotzdem müssen sich auch die Trucker, die wichtige lebensrettende, medizinische Waren befördern, bemühen, um über die Runden zu kommen.

Während hunderttausende Fahrer in den USA zur Zeit den Pandemie ihr Leben aufs Spiel setzen, werden lediglich einige für ihre Bemühungen finanziell belohnt. Nur wenige der größten amerikanischen Lkw-Unternehmen haben ihre Fahrer mit Prämien oder einer Gehaltserhöhung honoriert. Als positives Beispiel gilt der riesige Fleischhersteller Tyson Foods, der seinen Lkw-Fahrern einen Corona-Bonus von 1.000 US-Dollar versprach, von dem wir auch neulich berichtet haben. Bekannt sind auch zwei weitere vorbildliche Fälle von Unternehmen: Sutton Transport aus Wisconsin und der Trucking-Riese J.B. Hunt, die in den letzten Tagen einen finanziellen Bonus von 500 US-Dollar für Fahrer angekündigt haben.

Kommentare

comments0 Kommentare
thumbnail
Um Benachrichtigungen über Kommentare freizuschalten - gehen Sie zu Ihrem Profil