Der Transport- und Logistiksektor wird sich in den kommenden Jahren schneller entwickeln als das BIP-Wachstum in Europa. In einem optimistischen Szenario wird er den Pandemie-Rückgang bereits innerhalb eines Jahres aufholen, prognostiziert das Beratungsunternehmen PwC.

Die Transport- und Logistikindustrie ist direkt von der Entwicklung der Weltwirtschaft abhängig. PwC prognostiziert zwei Szenarien für die Entwicklung der Weltwirtschaft in den Jahren 2021-22.

Das erste, optimistischere Szenario geht von einer effektiven Verteilung des Impfstoffs und einem deutlichen Rückgang der COVID-19-Fälle aus. In diesem Szenario würde das BIP-Wachstum in der EU in diesem Jahr 5 Prozent und im Jahr 2022 3,7 Prozent erreichen.

Das zweite, weniger optimistische Szenario geht davon aus, dass der Impfstoff aufgrund von Mehrfachmutationen und Verteilungsproblemen nicht so wirksam sein wird. Unter diesen Annahmen wird ein Wachstum von 3,5 Prozent im Jahr 2021 und von 2,6 Prozent im darauffolgenden Jahr prognostiziert.

Die chinesische Wirtschaft wird sich laut PwC deutlich dynamischer entwickeln. Analysten schätzen das BIP-Wachstum im Reich der Mitte im Jahr 2021 sogar auf 11 Prozent im optimistischen Szenario, bzw. 4,2 Prozent im zweiten Szenario.

Zur Erinnerung: Der IWF prognostizierte im Oktober, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2021 um 5,2 Prozent wachsen wird, nachdem sie im vergangenen Jahr um 4,4 Prozent geschrumpft war. Eine neuere Prognose der OECD geht von einem bescheideneren globalen Wachstum von 4,2 Prozent im Jahr 2021 aus (und 3,6 Prozent in der Eurozone).

Die PwC-Prognose für den Transport- und Logistiksektor im Jahr 2021 unterscheidet sich je nachdem, welches BIP-Wachstumsszenario eintritt. In der Prognose wird unter der Annahme eines effektiven Betriebs und effizienter Lieferketten ein Wachstum der Bruttowertschöpfung des Sektors in Europa von 5,4 Prozent im Jahr 2021 und 4 Prozent im Jahr 2022 erwartet. Damit wären die Transport- und Logistikunternehmen Ende nächsten Jahres wieder auf dem Niveau vor der Pandemie (der Rückgang der Bruttowertschöpfung lag 2020 bei 9 Prozent).

Im weniger optimistischen BIP-Szenario würde auch das Wachstum des Verkehrssektors bescheidener ausfallen. Dennoch würde das Wachstum der Bruttowertschöpfung der Transport- und Logistikindustrie, wie auch im dynamischen Szenario, höher ausfallen als das prognostizierte BIP-Wachstum und würde 3,9 Prozent bzw. 2,9 Prozent in den Jahren 2021-22 betragen.

Besonders wichtig für den Transportsektor ist das Wachstum des Industrie- und Automobilsektors aufgrund der Nutzung von globalen Lieferketten. Die Schätzungen von PwC gehen in einem optimistischen Szenario von einem Anstieg der Bruttowertschöpfung um 8 Prozent im Automobilsektor und um 4,6 Prozent in der Industrie allgemein aus. Dies sollte sich positiv auf den Transport- und Logistiksektor auswirken.

Ein interessanter Trend für die Zukunft ist die wahrscheinliche Diversifizierung der Beschaffungs- und Lieferquellen, um die Situation im Frühjahr 2020 zu vermeiden, als die Lieferungen aus Asien gestört waren. Diese Diversifizierung der Lieferketten und das Entstehen alternativer Routen stellt eine Chance für die Logistikindustrie dar. Ein Ende der Globalisierung ist jedoch nicht zu erwarten und viele Produkte werden weiterhin aus China und anderen Schwellenländern der asiatischen „Fabrik der Welt” nach Europa fließen.

Foto: Mercedes Benz

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